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Weininfo

Jahrgangswein Nr. 197103

1971, Château La Grâce Dieu, Appellation Contrôlée, Saint‑Émilion, Bordeaux.
Abfüllung: Léon Moncourrier & Fils.
Flaschenvolumen: 0.73 l
Füllstand: etwa upper bis top shoulder (gut für das hohe Weinalter)
Info-Bild Füllstand
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Alkoholgehalt: keine Angabe (üblich: ca. 12.5%vol)
Flaschenpreis: 84,00 €

1971, Château La Grâce Dieu, Saint‑Émilion

Château La Grâce Dieu ist ein Weingut in der Anbauzone Saint‑Émilion im Anbau­gebiet Bordeaux. Im Mittelalter war hier ein Kloster der Zister­zienser und die Mönche betrieben auch Weinbau. Das Anwesen wurde damals “À la Grâce de Dieu” (Zur Gnade Gottes) genannt. Seit 1945 wurde Château La Grâce Dieu von den Familien Pauty und Dubreuil in die moderne Zeit geführt. In der vierten Generation betreiben heutzutage drei Schwestern das Familien-Unternehmen. Die Rebfläche umfasst 13 Hektar in drei Abschnitten, die von verschiedenen Anteilen der Boden­komponenten Kalkstein, Lehm, Sand und Kieselerde geprägt werden. Die Anteile der Rebsorten sind rund 80% Merlot und 20% Cabernet Franc. Die Reben sind im Durchschnitt etwa 25 Jahre alt und die ältesten über 50 Jahre. Die Weingärten werden natur­schonend bewirt­schaftet. Das unterschied­liche Terroir bringt entsprechend komplexe Aromen in den qualitäts­vollen, klassischen Rotwein der Güteklasse Grand Cru von Saint‑Émilion.

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Die rote Rebsorte Merlot stammt aus Frankreich und gehört zu den noblen Rebsorten. Sie ist seit Jahr­hunderten bekannt und wurde 1784 im Bereich Libournais erstmals als Merlot dokumenta­risch erwähnt. Der Name bezieht sich auf die Amsel (merle), die Merlot gerne nascht. Die Sorte hatte damals bereits eine große Bedeutung für den franzö­sischen Weinbau und belegt heutzutage den größten Anteil der Rebflächen in Frankreich. In den Bordeaux-Bereichen Pomerol und Saint‑Émilion ist Merlot die Hauptsorte der großen Rotweine und im Médoc Verschnitt­partner von Cabernet Sauvignon. In Pomerol werden aus Merlot die berühmten Rotweine der Weingüter Château Pétrus und Château Le Pin nahezu sortenrein gekeltert. Diese zählen zu den besten und teuersten Rotweinen der Welt. Merlot ist auch in Übersee populär und wird in Kalifornien nach Chardonnay und Cabernet Sauvignon am häufigsten angebaut. Die früh reifenden Trauben erbringen fruchtige, körper­reiche und vollmundige Weine. Merlot wird häufig als optimale Ergänzung zu Cabernet Sauvignon verwendet, da die Merlot-Trauben weniger Tannine und Säure enthalten und somit als abmildernder Faktor wirken. Sortenreine Merlot-Roweine sind im Vergleich dazu zumeist etwa früher genussreif, aber die körper­reichen Spitzen­weine können auch Jahrzehnte gelagert werden.

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Der Bereich Saint-Émilion mit rund 5500 Hektar Rebfläche liegt im Osten des Anbau­gebietes Bordeaux. Der Name der kleinen Stadt Saint‑Émilion bezieht sich auf den Mönch Aemilianus, der im 8. Jahr­hundert in einer Ermitage (Einsiedelei) auf dem heutigen Anwesen von Château Laniote lebte und in der Umgegend als wundertätig galt. Saint‑Émilion ist auch eine Station auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Die ersten Wein­gärten wurden von den Römern angelegt. Saint‑Émilion wurde 1999 als erste Weinbau­zone von der UNESCO zum Weltkultur­erbe ernannt. Das Klima ist kontinentaler und nicht so maritim geprägt wie im westlich liegenden Médoc und weist auch größere Temperatur­schwankungen auf. Das Gebiet ist von einer Vielfalt von Bodentypen geprägt, teilweise sogar innerhalb einzelner Lagen. Diese Böden führen naturgemäß auch zu unterschied­lichen Weinstilen. Die rund 1000 Wein­güter erzeugen überwiegend Rotweine, nur diese haben den Appellations-Status. Die vollmundigen, körper­reichen Rotweine werden haupt­sächlich aus Merlot (belegt rund 60% der Rebfläche) und einem kleineren Anteil Cabernet Franc oder auch Cabernet Sauvignon produziert. Zumeist erfolgt der Ausbau in neuen Barriques. Die Rotweine aus Saint‑Émilion sind typischer­weise etwas weicher und weniger tannin­betont als jene aus dem Médoc. 1954 erfolgte eine Saint‑Émilion-Klassi­fizierung der besten Weingüter. Im Abstand mehrerer Jahre wird die Einstufung in den vier Grand‑Cru-Klassen überprüft. Premier Grand Cru Classé A ist die höchste Bewertung. Château Ausone und Château Cheval Blanc gehörten bis 2022 immer zur heraus­ragenden Klasse, aber sie verzichteten auf eine weitere Bewerbung für das Güteklassen-System. Premier Grand Cru Classé B ist eine weitere Einstufung in der Spitzen­klasse. Die exklusive Gruppe der Spitzen­weingüter ist klein. Es folgt die Stufe Grand Cru Classé für weitere ausge­zeichnete Weingüter. Darunter sind die Grand‑Cru-Lagen eingestuft mit Qualitäts­vorgaben, die etwas über der kommunalen Güteklasse der Appellation Saint‑Émilion liegen. Das Qualitäts­niveau in der Anbauzone ist insgesamt sehr gut.

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Appellation Contrôlée (AC) ist ein System für die kontrollierte Herkunfts­bezeichnung französischer Qualitäts­weine. Die voll­ständige Bezeichnung lautet “Appellation d’Origine Contrôlée” (AOC) und 2009 wurde stattdessen, mit Bezug auf die EU-Weingesetz­gebung, die Kategorie “Appellation d’Origine Protégée” (AOP) als geschützte Ursprungs­bezeichnung eingeführt. Das Appellations-System umfasst die Güteklassen für die besten Weine. Das wichtigste Kriterium ist die Herkunft (Region, Bereich, Gemeinde) der Trauben. Kommunale Appellationen sind höher bewertet als regionale Appellationen. Die höchsten Einstufungen (Crus Classés = Klassifizierte Gewächse) sind für begrenzte Rebflächen (Lage, Château oder Domaine) unter Berück­sichtigung des Terroirs (Boden­beschaffen­heit und Mikroklima) möglich. Die je nach Appellation zu beachtenden Richtlinien beziehen sich auf Weinart (Rotwein, Weißwein, Rosé), zugelassene Rebsorten, Weingarten­pflege, Reifegrad der Trauben, Alkohol­gehalt, Vinifikation (Art der Wein­bereitung) und Produktions­menge. Eine Qualitäts­prüfung ist seit 1974 Voraus­setzung für die Vermarktung der Weine unter der Appellations-Angabe. Bei der Produktion von Landweinen (Vin de Pays, IGP) mit regionalem Charakter gelten hingegen weniger strenge Vorgaben und Tafelweine (Vin de Table, Vin Ordinaire, Vin de France) sind einfache Konsumweine ohne genaue Herkunftsangabe.

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Etwa bis in die 1970er Jahre war es für den Großteil der Weingüter üblich, das Lesegut für die Wein­erzeugung oder bereits ausgebaute Weine fassweise für die Flaschen­abfüllung an ein Handelshaus (Négociant) zu verkaufen. Der Vorteil der Handels­häuser war häufig die Finanzkraft für eine gut ausgestattete Weinkellerei für einwand­freie Abfüllungen und zudem die Option einer Auswahl des Traubenguts für die Erzeugung qualitäts­voller Weine.

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